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Es soll sich möglichst in bestehende Reihen eingliedern,
nicht zu dick sein, bestimmte Sachen sollen fett gedruckt, in Klammern
gesetzt oder klein gedruckt werden usw. usw.
Das sind lauter Äußerlichkeiten, die wohl wichtig sind, aber es fehlt
eine Anleitung, wie man überhaupt bis zu diesem Ergebnis gelangt.
Es sei nun dahingestellt, ob Sie mit Karteikarten, einem
Computerprogramm für Tabellenkalkulation (z.B. Excel) oder einem Genealogieprogramm
arbeiten. Die Arbeitshinweisen sind sinngemäß auf die verschiedenen Techniken
umzudenken.
Karteikarten haben durchaus ihre Vorteile und es ist nicht jedermanns
Sache, einen Computer zu benutzen. Kateikarten sollten im Format A5 sein
und nur einseitig beschriftet werden, dann ist eine Vervielfältigung durch
Fotokopie (2 Karten = A4 Blatt) durchaus möglich.
Als Alternative kann aber ein reines Textverarbeitungsprogramm nicht empfohlen
werden, da es keine Sortier- und Auswertungsmöglichkeiten bietet. Zwar
kennen die Textprogramme auch Tabellen, aber wir benötigen recht umfangreiche
Tabellen und damit haben diese Programme erhebliche Schwierigkeiten. Eine
Tabellenform wird aber benötigt.
Genealogieprogramme für OFB gibt es auch und sie sind sicher zu empfehlen.
Was sind Tabellen ?
Ein Tabellenblatt teilt sich in waagerechte Zeilen und senkrechte Spalten.
Durch diese Teilung entstehen zahlreiche Kästchen, in die alle Daten und
Texte eingespeichert werden können. Die Kästchen werden Felder oder Zellen
genannt. Für jede Person werden Zeilen angelegt, die entsprechend ihrem
Inhalt und ihrer Bedeutung eine unterschiedliche Zeilenkennung (Satzart)
haben. z.B. : Zeile A für die Daten des Vaters, B für Beruf und Wohnort,
C für Daten der Trauung, D für Daten der Mutter, K für Daten der Kinder,
H für Hinweise usw.
An die Spitze jeder Zeile kommt eine laufende Zeilennummer. So können
Sie durch sortieren der Satzart alle Väter, Mütter und Kinder abteilen
und vergleichen, durch sortieren der Zeilennummer stellen Sie die ursprüngliche
Reihenfolge wieder her.
Die Spalten enthalten die Daten, gleiche Daten immer in der gleichen Spalte.
Also : Name, Vorname, Beruf usw. stehen jeweils immer in einer Spalte
untereinander.
Genealogieprogramme bauen eine Datenbank auf, die nach dem gleichen Prinzip
arbeitet. Sie sehen auf dem Bildschirm eine Reihe von Zahlen- und Wortfeldern,
in die Sie Ihre Daten und Texte eingeben können. Auf Wunsch werden diese
dann sortiert und aufgelistet.
A) Allgemeines zur Erfassung der Daten
Es gilt generell, daß es wichtig ist, ALLE Daten zu erfassen, die überhaupt
greifbar sind. Welche Kleinigkeiten später mal Rückschlüsse erlauben,
können Sie zu Anfang noch gar nicht erwägen.
Was mache ich mit längeren Texten ?
In den Kirchenbüchern finden Sie Jahr, Datum und Nummer, dann einen langen
Text. Diesem Text entnehmen Sie folgende Angaben : Namen, Vornamen, Wohnort,
Herkunft, Beruf oder Stand, Alter usw. und übertragen diese Angaben direkt
in die dafür vorgesehenen Zellen in der Tabelle oder die vorgesehenen
Plätze in der Karteikarte.
Bei den Taufen bleiben dann normalerweise nur die Taufpaten übrig, selten
ein weiterer Text, der zu übertragen wäre. Für die Taufpaten kann eine
eigene Tabelle angelegt werden, damit sie getrennt behandelt werden können.
Eine Zeile für Taufpaten enthält das Datum der Taufe, den Namen der Eltern
und dann die Angaben des Taufpaten (besonders interessant, wenn sie/er
mit den Eltern verwandt ist).
Die Anmerkungen der Pastoren, bei Taufen z.B. über die Eltern (teils Großeltern)
eines unehelichen Kindes oder über eine Geburt kurz nach der Hochzeit,
sind wörtlich als Langtext zu übernehmen.
Bei den Trauungen haben wir manchmal Angaben über die Eltern und evtl.
Trauzeugen. Die Angaben der Eltern können als Langtext ohne Unterteilung
in eine Zeile gebracht werden. Wenn Orte außerhalb des OFB genannt werden,
muß dieser Ort in eine besondere Zelle, damit später ein Ortsregister
angelegt werden kann. Die Trauzeugen werden analog zu den Taufpaten extra
abgespeichert.
Bei den Beerdigungen findet man oft sehr unterschiedliche Texte, die auch
unterschiedlich behandelt werden. Angaben über einen christlichen Lebenswandel,
eine Unfallgeschichte, einen Mord oder Selbstmord kann man in vollem Wortlaut
übernehmen. Ebenso einen richtigen Lebenslauf. Dabei wurde auch darauf
geachtet, die originale Schreibweise beizubehalten und nicht zu korrigieren.
Eine ausführliche Krankengeschichte, daß die Kranke sich stundenlang gequält,
reichlich Blut gespuckt usw. über eine Länge von 5 Zeilen und mehr, kann
man abschreiben, wenn man Zeit und Geduld hat, muß man aber sicher nicht.
Wenn möglich, ist der Name der Krankheit (Wassersucht, TBC usw.) zu notieren.
Andererseits finden sich bei den Beerdigungen manchmal die Familienaufstellung
mit Namen der Kinder, Alter, wann mit wem verheiratet, wieviele Kinder
usw., gelegentlich eine halbe oder ganze Seite lang. Solche Texte braucht
man nicht wörtlich übernehmen, sondern gleich als Einzeldaten umsetzen
mit Hinweis auf diese Beerdigung als Quellenabgabe ("siehe Bee. 1772-15").
Bei Beerdigungen ist möglichst schon beim Eintippen aus dem (hoffentlich)
angegebenen Alter gleich das rechnerische Geburtsjahr zu ermitteln. Später
sortiert man die Datensätze für den Abgleich mit den Taufen nach diesem
Geburtsjahr. Personen ohne Altersangabe muß man schätzen und dabei im
Kommentar vermerken, daß es sich um eine Schätzung handelt. Schätzt man
nicht, fällt die Person beim Sortieren heraus. Man kann bei "Söhnlein"
1 Jahr, "Kind" 5 Jahre, "Mann" 40 Jahre und "alter Mann" 70 Jahre ansetzen.
Hilfreich ist auch, ein Status-Merkmal aufzuschreiben: Mann, Frau, Witwe,
Kind, Jgs/Jfr (für Jugendliche von 15-25 Jahren). Wenn Sie nur nach Erwachsenen
suchen, können Sie nach dem Status sortieren und die Kinder abtrennen.
Der Zeitraum
Sie sollten eine Vorstellung davon haben, welchen Zeitraum Sie widergeben
wollen. Denkbar wäre: vom Beginn der Kirchenbücher bis zum Jahre 1800,
aber es gibt viele andere Möglichkeiten.
Alle Taufen, Trauungen und Beerdigungen des gewählten Zeitraumes müssen
erfaßt werden, ohne Rücksicht darauf, ob die Personen dort länger gewohnt
haben oder sich nur vorübergehend (evtl. nur ein paar Tage) dort aufhielten.
Um die Arbeitsmenge etwas zu verkleinern, kann man sich die Taufpaten
und Trauzeugen für später aufheben, denn sie nützen nur sehr bedingt.
Beerdigungen müssen weit über den Zeitraum hinaus erfaßt werden. Bei einem
Beispiel liegt die Zeitgrenze bei Trauungen vor 1800. Diese Paare haben
bis etwa 1815 Kinder bekommen. Bei einem Alter von 80 Jahren würde das
jüngste Kind erst 1895 beerdigt. Damit wäre die Familie komplett dokumentiert.
Bei der chronologischen Erfassung sind gleich alle Lücken zu notieren,
auch sie lassen Rückschlüsse zu. Man entdeckt später z.B. Kinder, deren
Taufe nicht im Kirchenbuch steht, die aber in die Lücke passen würden.
Lücken und eine andere Handschrift signalisieren meist den Wechsel des
Pastors. Oft ist seine Beerdigung nicht im Kirchenbuch erwähnt. Ungewöhnlich
wenige Eintragungen im Jahr oder ein Durcheinander in der Reihenfolge
lassen auf eine nachträgliche Niederschrift schließen. Hier darf den Tagesdaten
nicht blind vertraut werden. Beim Vergleich findet man evtl., daß ein
kleines Kind schon Wochen vor der Geburt starb und beerdigt wurde.
Teilen Sie den gewählten Zeitraum in Abschnitte von 30 oder 50 Jahren.
Jeder Abschnitt wird zuende bearbeitet, bevor Sie den nächsten beginnen.
Damit erreichen Sie, daß Sie etwas fertig haben, falls die Arbeit aus
technischen oder gesundheitlichen Gründen abgebrochen werden muß. Wenn
Sie zum Beispiel von A nach Z arbeiten würden und nach H abbrechen müßten,
wäre mit dem Ergebnis kaum etwas anzufangen.
Als ersten Zeitabschnitt wählen Sie denjenigen, wo sich die Kirchenbücher
(oder andere Quellen) am besten lesen lassen und die Eintragungen am vollständigsten
sind. In Norddeutschland ist dies ab 1772 der Fall. Wenn Sie mit den Personen-
und Ortsnamen vertraut sind, können Sie sich an die Bücher mit der fürchterlichen
Handschrift wagen, ohne allzuviele Lesefehler zu riskieren.
Nach der Erfassung der Daten kommt der eigentliche und spannende Teil
der Arbeit :
die Rekonstruktion der Familien.
Sofern Sie eine Computer-Tabelle benutzen, übertragen sie die Taufen,
Trauungen und Beerdigungen, in drei getrennte Tabellenblätter. Die Tabellen
bzw. Ihre Karteikarten werden jeweils sortiert nach Nachname und innerhalb
des Namens sortiert nach echtem oder geschätztem Geburtsjahr bzw. bei
Trauungen nach dem Traujahr.
Wenn Sie bei den Trauungen (nicht bei Witwe/Witwer ! ) ein Alter von 25
Jahren ansetzen, können Sie auch hier nach Geburtsjahr sortieren.
Anmerkung : Oft taucht der Vorschlag auf, nach dem Datum der Trauung zu
sortieren. Das ergibt zwar auch eine chronologische Reihenfolge, aber
die muß unterbrochen werden, wenn ein Mann mehrfach heiratet und man die
beiden Ehen wegen der Übersichtlichkeit direkt hintereinander setzt. Sie
wird auch unterbrochen bei unehelichen Kindern, wo man nur ein Geburtsdatum
besitzt, bei Leuten, die nie geheiratet haben (es wird dann ersatzweise
der 30. Geburtstag empfohlen) und bei Kleinkindern, deren Eltern nicht
bestimmbar sind (... und die nicht den 30 Geburtstag erreichten).
Bewahren Sie die ursprünglichen Daten !
Man sollte immer in der Lage bleiben, die ursprüngliche chronologische
Reihenfolge aus dem Kichenbuch, also unabhängig von der alphabetischen
Sortierung, wieder herstellen zu können. Beispiel : Sie suchen eine Maria,
die etwa 1740 geboren ist, kennen aber den Nachnamen (den Mädchennamen)
nicht. Welche Taufe kommt in Frage ?
Wenn Sie die Datensätze (wie oben besprochen) in getrennten Dateien halten,
dann können Sie später oft einiges ergänzen, was nicht im Kirchenbuch
stand. Setzen Sie solche Ergänzungen aber in Klammern, damit man sie als
solche erkennt !
Offensichtliche Fehler im Kirchenbuch berichtigen Sie besser in Kommentarzeilen,
damit der Originaltext erhalten bleibt.
B) Die Reihenfolge der Arbeitsschritte , Teil 1
1) Die Erfassung der Daten zu Taufen, Trauungen und Beerdigungen in Karteikarten,
Computertabellen oder in einer Datenbank. Kennzeichnen Sie gleich Zwillinge,
uneheliche oder voreheliche Kinder, verwitwete Personen und sonstige Merkmale.
Sie erleichtern später die Arbeit.
Benutzen Sie bei Zwillingen auch zwei Zeilen mit zwei verschiedenen Nummern
!
2) Standardisierung der Nachnamen in einer separaten Spalte.
Da die Schreibung der Nachnamen uneinheitlich ist, muß man einen Standard
finden. Es ist egal, ob Sie Maier, Mayer, Meier oder Meyer wählen, Hauptsache
ist : ein stets gleicher Sortierbegriff. Er kommt in eine eigene Spalte
und soll die ursprüngliche Schreibweise nicht überdecken.
Sortieren Sie die Dateien nach dem Original-Nachnamen und stellen Sie
die häufigste oder die jüngste Schreibweise fest. Beispiel : die Familien
Basau bzw. Baßau wurden später nur noch als Passau eingetragen. Also ist
Passau der Standard. Unter "Basau" kommt im Familienbuch ein Verweis :
"siehe Passau" .
Der Standardname muß natürlich in allen Dateien gleich sein. Wenn Sie
unsicher sind, "Maier, Mayer, Meier, Meyer ?" entscheiden Sie willkürlich,
z. B. "Meier" , denn ein einheitlicher Name ist zum Sortieren UNBEDINGT
erforderlich !
Ist der Nachname nicht bekannt, hilft "? geb. ?" oder einfach " ? " .
Verwenden Sie nicht das beliebte "NN" , denn dann fällt der Name unter
"N", wo er nicht hingehört.
Das Fragezeichen fällt beim Sortieren ganz nach oben und es fällt sofort
auf, daß hier noch etwas zu klären ist.
Bei unehelichen Kindern sollte man (soweit möglich) 2 Datenzeilen/Karteikarten
anlegen, eine mit dem Standardnamen der Mutter und eine mit dem des Vaters.
Praktischerweise standardisiert man auch die Vornamen von Kind, Vater
und Mutter in eigene Spalten. Henrich, Hinrich und Heinrich wird zu "Hinr",
Andres, Andreas und Drevs wird zu "Andr", Trin, Thrine, Cathrin und Catharina
werden zu "Cath" usw. Später sucht man dann alle Kinder von "Andr" und
"Cath" eines Ortes, weil der Nachname bei einer Taufe nicht lesbar ist
oder unterschlagen wurde.
3) Ermitteln Sie ein Geburtsjahr. Bei den Taufen haben Sie schon eins,
bei den Beerdigungen errechnen Sie es oder schätzen Sie (ist bereits vorne
besprochen).
Bei den Trauungen schätzen Sie ein Alter von 25-30 Jahren. Ich rechne
gerne so, daß ich ein "rundes" Geburtsjahr erhalte, also etwa : 1670,
1675, 1680, 1685, 1690 ...
ergänzt mit dem Wort "um", was bei mir eine Genauigkeit von +5 bis -5
Jahren andeutet. Sind die Ehepartner schon verwitwet, kann man 40 Jahre
ansetzen. Eine Schätzung ist dann sehr schwer und man prüft besser vorher,
ob man nicht die Beerdigung des ersten Ehepartners findet und danach die
Schätzung vornimmt. Man ergänze mit dem Wort "etwa", was eine Genauigkeit
von +10 bis -10 Jahren und mehr andeuten soll.
Das Geburtsjahr ist wichtig, weil wir es nach dem Nachnamen als zweite
Sortiergröße benötigen.
4) Benutzen Sie die Datei Trauungen, um die ersten Familien zu "gründen".
Sortieren Sie die Trauungen nach dem Standardnamen des Ehemannes und nach
dem geschätzten Geburtsjahr. Damit ist die erste (theoretische) Reihenfolge
in Ihrem Familienbuch festgelegt.
Sie entnehmen dem Eintrag die Daten des Ehemannes und legen eine Personenzeile
für ihn an. Geben Sie ihm eine Personennummer, die eindeutig und unverwechselbar
ist , z.B. "PN0001" *) .
Geben Sie der neuen Familie eine Familiennummer, z.B. "FR0001".
Kopieren Sie die Nummern in die Datei Trauungen. Verfahren Sie mit der
Ehefrau auch so. Als Nachname ist ihr Mädchenname zu benutzen. Ist er
nicht bekannt, hilft "? geb. ?" oder einfach "? " . Verwenden Sie nicht
das beliebte "NN" , denn dann fällt der Mädchenname unter "N", wo er nicht
hingehört.
Das Fragezeichen fällt beim Sortieren ganz nach oben und es fällt sofort
auf, daß hier noch etwas zu klären ist.
*) Bei der Arbeit mit Computern hat es sich bewährt, wenn solche Nummern
stets gleich lang sind. Wenn solche Nummern mit 2 Großbuchstaben beginnen,
kann die Maschine sie leicht finden (auch in einer Kommentarzeile) und
tauschen, falls mal eine Umnummerierung nötig ist (das ist bei mir mehrmals
vorgekommen).
Bei den Familiennummern sollten Sie nicht 1,2,3,4,5,6,7 verwenden, sondern
5,10,15,20,25,30 damit spätere Ergänzungen möglich sind. Es finden sich
garantiert Eltern, die nicht in Ihrer Kirche geheiratet haben, aber hier
wohnten und ihre Kinder taufen ließen !
5) Wenn Sie genügend Familien "gegründet" haben, versuchen Sie, unter
den Taufen die richtigen Kinder zu finden. Sortieren Sie die Taufen nach
dem Standardnamen , danach chronologisch. Beginnen Sie die Suche mit dem
Jahr der Trauung.
Ein Problem entsteht, wenn die Mutter nicht angegeben ist und die Väter
die gleichen Vornamen haben. Wieviele Kinder hatte diese Ehe ? Suchen
Sie nach einer größeren Lücke in der Reihenfolge. Wenn der Abstand zum
nächsten Kind nicht 2-4 Jahre, sondern etwa 7-10 Jahre beträgt, ist hier
sicher ein anderes Elternpaar "zuständig".
Wann hat der nächste mit dem gleichen Namen geheiratet ?
Beispiel : Hein Ahlers heiratet 1675. Ein Namensvetter Hein Ahlers heiratet
1695.
Die "Kinder von Hein Ahlers" sind geboren : 1676, 1678, 1681, 1682, 1688,
1696.
Das letzte Kind ist sicher vom zweiten "Hein Ahlers".
C) Wie verbindet man nun die Daten miteinander ?
Arbeitsregel : erst die sicheren, später die unsicheren Daten verbinden
!
Aber was sind sichere bzw. unsichere Daten ?
Sichere Daten : Beerdigungen von Kleinkindern, das angegebene Alter ist
meist noch sehr genau.
Bei Erwachsenen kann das angegebene Alter um 5, 7 oder sogar um 10 Jahre
falsch sein !
Man verbindet also das Sterbedatum des Kleinkindes mit dem Geburtsdatum.
Beide Datensätze bekommen die gleiche Personennummer. Wenn man keine Datenbank
benutzt, sollte man das Sterbedatum zur Geburt und das Geburtsdatum zum
Sterbefall kopieren.
Damit scheidet später beim Sortieren dieser Taufeintrag aus und kann nicht
versehentlich einer Trauung zugeordnet werden.
Zusätze wie z.B. "wurde 4 Wochen nach der Hochzeit geboren" oder "war
10 Jahre verheiratet" lassen den direkten Schluß auf die Trauung zu. Verbinden
Sie die Daten von Trauung und Geburt bzw. Sterbefall mit einer gleichen
Personennummer.
"Vater starb vor der Geburt" oder "... starb nach der Entbindung" ermöglichen
sichere Verbindungen zwischen Eltern und Kind. Bei "Witwe von ... " suche
man die Beerdigung des Mannes, bei "Tochter von weiland ... " suche man
die Beerdigung des Vaters, die meistens kurz vor diesem Datum liegt, usw.
Unsichere Daten, z. B. Taufen ohne Angabe der Mutter, ohne Wohnort oder
unehelich lassen sich erst viel später sicher klären, ebenso Beerdigungen
ohne Ort und Altersangabe. Auch dem angegebenen Mädchennamen einer Mutter
darf man nicht immer trauen. Gelegentlich ist es der Mädchenname der Großmutter
!!
Ändert sich der Vorname der Mutter, ist nicht unbedingt auf eine 2. Ehe
des Vaters zu schließen. Manche Eintragungen stammen offenbar von Notizzetteln
oder aus dem Gedächtnis und enthalten Ungenauigkeiten. Die Mutter kann
dieselbe sein !
Verbindet man unsichere Daten aufgrund einer Vermutung, ist das Wort "Vermutung"
als Kommentar aufzunehmen. Sie können später sich widersprechende Angaben
haben und dann suchen Sie vergebens nach der Quelle der Daten, wo nur
eine Vermutung war.
Ein Wort zu Taufpaten und Trauzeugen : sichere Daten sind Angaben wie
: "Trine, Frau des Schmieds in XDorf" oder "Grete, des Hans Meier in XDorf
Jungfer Tochter".
Ebenso : "Hans Meier aus XDorf, Vater der Braut". Namen ohne Ortsangabe
führen zu Irrtümern, denn die Person kann durchaus.von einem benachbarten
Kirchspiel kommen. Ein männlicher Pate ohne nähere Bezeichnung kann Bruder,
Schwager, Vater, Onkel, Freund, Nachbar oder Gönner der Familie sein,
18, 30 oder 50 Jahre alt. Auch der Großvater des Kindes kann Taufpate
sein, sogar die eigenen Eltern des Täuflings !
Trotzdem darf man den Personenkreis nicht unterschlagen. Es gibt Leute,
die im Ort wohnen, zwar dort nicht geboren wurden, kinderlos sind und
deren Beerdigung nicht zu finden ist, aber als Taufpaten mit Wohnsitz
in XDorf auftauchen und damit immerhin zur Einwohnerschaft gehören. -
Kennt man die Herkunft der Eltern nicht, achte man darauf, woher die Taufpaten
kommen. Es könnten die Geschwister sein.
Bei der Verbindung von Tauf-, Trau- und Sterbedaten achtet man selbstverständlich
darauf, daß die Daten auch verträglich sind. Man kennt zwar Väter, die
mit 70 Jahren noch zeugen, aber kaum Frauen, die mit 50 Jahren noch gebären.
Kinder sollten einen Abstand von etwa 9 Monaten haben. (Ich fand den Fall
eines 3-Monats-Kindes, das hatte präzise die gleichen Eltern ! Irgendwo
ist der Fehler.)
Zwillinge, von denen einer gleich stirbt, sind oft nicht als solche eingetragen.
Töchter heiraten selten unter 18 Jahren, dagegen durchaus mit 70 Jahren.
Personen mit 4 Ehen kommen vor, teilweise heiraten verwitwete schon 1
Monat nach dem Tod des ersten Partners. Ein Trauerjahr konnten sich Väter
oder Mütter mit kleinen Kindern nicht leisten. Die 2. Frau ist oft viel
jünger als der Witwer und bringt evtl. eheliche oder uneheliche Kinder
mit, die bei "hinterläßt 4 Kinder" evtl. mitgezählt sein könnten.
Daten passen nicht
Beim Versuch, Taufen und Sterbefälle miteinander zu verbinden, wird man
feststellen, es ist nicht ganz leicht. Es zeigte sich, daß viele Personen
nach auswärts zogen, von denen man nie wieder etwas hörte. Dagegen starben
zahlreiche Personen, die keinesfalls im Kirchspiel getauft waren und von
auswärts stammen mußten. So hatte sich die Anzahl der Personen schnell
verdoppelt.
Eine zusätzliche Anzahl Personen ohne Taufdatum kommt dazu, wenn man die
Personen erfaßt, die bei Beginn des ältesten Kirchenbuches bereits lebten
und als Eltern, Taufpaten, Trauzeugen, Witwen bei einer Neuheirat oder
bei den Sterbefällen auftreten.
Zusätzliche Daten von Trauungen und Taufen gewinnt man, wenn die Braut
von auswärts kommt. Dann sind die Daten zur Trauung und Taufe des 1. Kindes
oft bei der Heimatkirche der Braut zu finden.
D) Die Reihenfolge der Arbeitsschritte , Teil 2
6) Abgleich der Sterbefälle : Sortieren Sie die Sterbefälle nach dem Standardnamen
und dem errechneten oder geschätzten Geburtsjahr. Beginnen Sie mit dem
ersten Namen und suchen Sie nach Kleinkindern. Hier ist die Zuordnung
zur richtigen Taufe am sichersten.
Wenn Sie die Taufe nicht finden, ist evtl. in den Eintragungen im KB eine
Lücke ? Sonst ist das Kind in einer anderen Kirche getauft. Machen Sie
hinter dem Geburtsjahr den Vermerk "nKB" (nicht im Kirchenbuch) oder ähnliches.
Geben Sie dem Kind eine individuelle Personennummer und suchen Sie nach
den richtigen Eltern. Sollten diese nicht zu ermitteln sein, muß das Kind
als Einzelperson mit einer eigenen Familiennummer geführt werden.
Ist die Taufe und damit die Familie gefunden, kann das Kind zugeordnet
werden. Im Feld "Trauungsdatum" kommt z.B. ein Strich, damit nicht versehentlich
eine Braut mit einem gleichen Namen mit diesem Kind verwechselt wird.
Wenn ein Kind früh stirbt, erhält oftmals das nächste Kind den gleichen
Namen. Das gilt auch umgekehrt : gibt es 2 Kinder namens "Hans", ist vermutlich
das erste früh gestorben.
7) Suche nach der Abstammung : versuchen Sie nun, von einem Ehemann (mit
geschätztem Geburtsjahr) die richtigen Eltern und damit seine Taufe zu
finden. Verbinden Sie die Daten aber nur, wenn Sie ganz sicher sind !
Unklare Fälle hebt man sich für später auf.
Wenn von der Ehefrau der Mädchenname bekannt ist, kann man nun auch hier
nach den Eltern suchen.
Parallel dazu sucht man die Eheleute unter den Daten der Beerdigungen
wiederzufinden. Ist hier ein Alter angegeben, kann man das geschätzte
Geburtsjahr korrigieren und mit dem neuen Wert wieder wie eben nach den
Eltern suchen.
Achtung ! Da wir nach dem Gebutsdatum sortiert haben, ist bei einer Korrektur
des geschätzten Geburtsjahres eine Änderung in der Reihenfolge der Familien
nötig !
Beispiel : Familie FR0005 Hein Ahlers * um 1690
Familie FR0010 Hans Ahlers * um 1700
Familie FR0015 Franz Ahlers * um 1705
Familie FR0005 Bert Ahlers * um 1725
Zeigt sich, daß Franz Ahlers am 3.4.1695 geboren wurde, kommt die Familie
in der Reihenfolge nun hinter Hein Ahlers. Damit ist die Nummerierung
durcheinander.
Wenn nun Hein Ahlers am 12.2.1702 geboren wurde ........... ein Teufelskreis
!
In diesem Fall kann man eine Umnummerierungs-Aktion durchführen.
8) Bei dieser geschilderten Arbeitsweise sollte man innerhalb eines gewissen
Zeitrahmens bleiben.
Vorschlag : Sie bearbeiten alle Fälle von A - Z, aber nur in einem Zeitraum
von 30 oder 50 Jahren. Immer zunächst nur die sicheren Fälle ! Danach
stellen Sie fest, welche unsicheren Fälle übrig geblieben sind und bearbeiten
diese. Das bedeutet, daß Sie alle Personen, ob Kind oder erwachsen, die
sich keiner Familie sicher zuordnen lassen, als Einzelpersonen mit eigener
Familiennummer aufzunehmen sind. Es darf keine Taufe und keine Beerdigung
übrig bleiben !
9)Wenn noch nicht geschehen, ist es jetzt an der Zeit, Verzeichnisse
(Indexe) aufzustellen.
Man benötigt Verzeichnisse für alle Nachnamen, incl. der erkannten Schreibfehler,
mit Hinweis auf die Familiennummer. Weiterhin eines für Orte außerhalb
des Bereiches der Ortsfamilienbuches und eines für die Berufe (evtl. unterteilt
nach Grundbesitzern/Bauern, Insten/Tagelöhnern und Handwerkern/Dienst-
leistenden). Weiterhin brauchen Sie ein ausführliches Quellenverzeichnis.
Danach machen Sie mehrere Ausdrucke, verteilen sie gleichmäßig und behaupten,
dieser Zeitabschnitt wäre "erstmal fertig" . Versuchen Sie, die Ahnentafeln
von Genealogen mit Ihren Ergebnissen zu vergleichen. Suchen Sie im Staatsarchiv
nach Amtsrechnungen oder anderen Akten aus diesem Zeitabschnitt und vergleichen
Sie jeden Namen. Durchsuchen Sie nun die Taufpaten und Trauzeugen, ob
sie welche erkennen können. (Vorsicht bei denen, die ohne Wohnort eingetragen
sind !)
Danach wäre der Zeitabschnitt tatsächlich fertig.
 
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