Er gilt als Begründer des deutschen Nationalstaates, doch
sein Reich stürzte Europa später in Kriege und Katastrophen. Kein Kanzler regierte
so lange wie er. Ihm setzten die Deutschen die meisten Denkmäler.
Geboren wurde Otto von Bismarck-Schönhausen, wie er mit vollständigen Namen hieß,
am 1. April 1815 in Schönhausen in der Altmark als Sohn des Landedelmannes Ferdinand
von Bismarck. Seine bürgerliche Mutter sorgte dafür, dass der begabte Sohn eine
optimale Schulbildung erhielt. Im Jahre 1839 ging Bismarck auf das väterliche
Gut Kniephausen in Pommern und verwaltete es.
1845 wurde er Abgeordneter im preußischen Provinziallandtag. Die Verteidigung
der Vormachtstellung des landbesitzenden preußischen Adels wurde sein Leitprinzip.
1847 heiratete er standesgemäß Johanna von Puttkammer (1824 - 1894) und wurde
Mitglied des vereinigten Landtages Berlin. Aus dem Erlebnis der Revolution von
1848 und der Gegenrevolution wurde die Furcht vor dem Umsturz wie die Alternative
des Staatsstreiches für sein Denken bestimmend. Preußisch und konservativ wie
er war, wurde er von 1851 - 1859 Gesandter der preußischen Regierung im Bundestag
in Frankfurt am Main. Von 1859 - 1862 ging er als Diplomat nach Petersburg und
seit Februar 1862 nach Frankreich.
In den 60ger Jahren spizte sich der preußische Verfassungskonflikt immer weiter
zu. Im Herbst 1862 telegraphiete Kriegsminister Roon an Bismarck in Paris:
"Seiner Exzellenz dem königlich-preußischen Botschafter in Paris
Herrn Otto von Bismarck-Schönhausen
Periculum in mora. Dépêchez-vous.
Roon."
Wilhelm I. und Bismarck
Als diese Nachricht in Paris eintraf und von ihrem Empfänger gelesen
worden war, ordnete dieser ohne Hast das Seinige und fuhr nach Berlin. So wurde
Bismarck am 23. September 1862 von König Wilhelm I. zum preußischen Ministerpräsidenten
ernannt. Er war seinem Herrn treu ergeben und setzte Wilhelms Heeresreform und
die dazu benötigten finanziellen Mittel, auch gegen Proteste des Parlamentes,
durch. "Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der
Zeit entschieden - das ist der große Fehler von 1848 und 1849 gewesen - sondern
durch Eisen und Blut." sagte er am 29. September 1862 vor dem preußischen Abgeordnetenhaus.
Bismarck hatte ein großes Ziel: Die Wiederherstellung des Deutschen Reiches, das
Napoleon 1806 zerschlagen hatte. Dazu führte er drei Kriege, an deren Ende die
Gründung des Zweiten Deutschen Reiches stand und Bismarck zum Reichskanzler ernannt
wurde. Innenpolitisch versuchte er, die bestehende Sozialordnung mit staatlicher
Autorität zu schützen, äußerstenfalls durch das Mittel des Staatsstreichs.
Mit der Industrialisierung kam eine weitere schwere Aufgabe auf den "Eisernen
Kanzler", wie er wegen seiner Politik genannt wurde, zu, denn zu den bestehenden
Ständen kam eine neue Klasse, die der Arbeiter, hinzu. Es brauchte seine Zeit,
bis der aus dem Adel stammende Kanzler respektierte, dass für diese Klasse neue
Gesetze notwendig waren.
Der Stärkung des preußisch-konservativen Charakters des Reiches sollte die Bekämpfung
des politischen Katholizismus im Kulturkampf (seit 1872) und der Sozialdemokratie
durch das Sozialistengesetz (1878) dienen sowie das Interessenbündnis von ostelbischen
Junkertum und Schwerindustrie in der Schutzzollpolitik (1879).
Gemälde zum 80. Geburtstag 1895
Als epochemachend gilt bis heute die Einführung der Sozialversicherung.
Nach 1871 war Bismarck außenpolitisch zurückhaltend und auf Ausgleich bedacht.
Der Kriegsherr von 1864, 1866 und 1870/71 wandelte sich zu einem Manager des Friedens.
Aus der Furcht vor einem Zweifrontenkrieg war sein Ziel die Sicherung des Friedens
durch die Isolierung Frankreichs, Annäherung an Österreich-Ungarn und gute Beziehungen
zu Russland. Dem entsprach sein Bündnissystem: Dreikaiserbund 1873 und 1881, Zweibund
1879, Dreibund 1882, Mittelmeerabkommen und Rückversicherungsvertrag 1887.
Von ihm stammten auch die folgenden Worte: "Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst
nichts in der Welt. Und die Gottersfurcht ist es schon, die uns den Frieden lieben
und pflegen lässt."
Otto von Bismarck diente unter drei Kaisern: Wilhelm I., ihm folgte sein todkranker
Sohn Friedrich III., der nur 99 Tage regierte, auf den Thron. Nachfolger wurde
der Enkel Wilhelm I., Wilhelm II. Politische Gegensätze zur militärischen Führung
und zur Umgebung des Kaisers führten im März 1890 zur Entlassung Bismarcks.
Der einstige Kanzler und erste Mann in Preußen zog sich tief gekränkt auf sein
Gut Friedrichsruh im Sachsenwald bei Hamburg zurück. Dort starb er am 30. Juli
1898 und wurde im Mausoleum von Friedrichsruh beigesetzt. Mit ihm ging eine Epoche
zu Ende, das sogenannte Bismarcksche Zeitalter.