Die
Kaiserproklamation in Versailles
Am 18. Januar 1871 erfolgte in Versailles, in
einer festlich prunkvollen Zeremonie, die Proklamation des Königs von Preußen
zum Deutschen Kaiser. Wie die Könige im Mittelalter wird der Kaiser von den
Fürsten ausgerufen.
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| Kaiserproklamation in Versailles |
In diesem feierlichen Staatsakt im besiegten Feindesland wird der
deutsche Nationalstaat - der langgehegte Traum der liberalen bürgerlichen Bewegung
- Wirklichkeit. Vor dem Hintergrund der Belagerung von Paris, im Kreis von Militärs
und Diplomaten, bekräftigen die deutschen Fürsten zugleich ihren Anspruch auf
die politisch überragende Stellung im neuen deutschen Staat.
So stark die symbolträchtige Zeremonie auch nationale Begeisterungsstürme entfacht,
so bleibt es doch - wie Otto von Bismarck formuliert - "eine schwere Kaisergeburt".
König Wilhelm hat in der Tatsache, dass der Kaisertitel der preußischen Königswürde
vorangestellt werden sollte, das Ende Preußens vorausgeahnt. Außerdem schien ihm
die Kaiserwürde zu wenig reale Macht zu enthalten; denn aus Rücksicht auf die
Bundesfürsten und die Bundesstaaten sollte er sich nach Bismarcks Willen statt
"Kaiser von Deutschland" wie das Oberhaupt des locker gefügten alten Reiches "Deutscher
Kaiser" nennen. Wilhelm fürchtete, seinen guten preußischen Namen für die gleichgültige
Würde eines "Charaktermajors" - so ein militärischer Vergleich - hinzugeben. Bismarck
wurde ungeduldig; wie er im Dezember 1870 seiner Frau schrieb, plagten ihn im
Umgang mit dem König all die "kleinen Schwierigkeiten, die sich für ihn in der
sehr einfachen Kaiserfrage an fürstliche Vorurtheile und Kinkerlitzchen knüpfen".
Am Abend vor der Proklamation sagt Wilhelm: "Morgen ist der unglücklichste Tag
meines Lebens. Wir begraben die preußische Monarchie, und Sie, Fürst Bismarck,
tragen dafür die Verantwortung."
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| Kaiserkrone |
An dem äußerlich so glanzvollen Tage der Kaiserproklamation im
militärischen Hauptquartier der deutschen Armee im Spiegelsaal des Schlosses zu
Versailles - der Palast des einstigen Sonnenkönigs Ludwig XIV. - , in dem sich
die deutschen Fürsten in Paradeuniform nahezu ausnahmslos versammelt haben, hat
der Kanzler "Kälte von oben" erfahren müssen. Wilhelm schritt an ihm ohne Blick
vorbei und reichte anderen die Hand. Auch die Tatsache, dass man für dieses große
Ereignis den 18. Januar gewählt hatte, vermochte seinen Sinn nicht aufzuhellen.
Großherzog Friedrich I. von Baden, sein Schwiegersohn, hatte insofern die Situation
noch gerettet, als er die leidige Titelfrage umging und ein Hoch auf "Kaiser Wilhelm"
ausbrachte.
Das erste deutsche Kaiserpaar
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| Kaiser Wilhelm I. |
Kaiserin Augusta Viktoria |
Das deutsche Kaiserhaus in den 80ger Jahren des 19. Jahrhunderts
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| Das deutsche Kaiserhaus |

