Friedrich
III.
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| Friedrich III. |
Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl von Preußen, Sohn des Kaisers und
Königs Wilhelm I. und der Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar, wurde am 18.
Oktober 1831 im Neuen Palais bei Potsdam geboren. Er erhielt eine sorgfältige
Erziehung und eine tüchtige wissenschaftliche Bildung; der berühmte Historiker
Ernst Curtius war sein Lehrer.
1849 trat er in das 1. Garderegiment ein, 1850 besuchte er die Universität Bonn.
Am 3. Juli 1856 wurde er Oberst und Kommandeur des 1. Garderegiments, im Herbst
dieses Jahres des 11. Infanterieregiments in Breslau. Am 25. Januar 1858 vermählte
er sich mit der Princeß Royal von Großbritannien, Viktoria Adelheid Marie Luise
(geboren am 21. November 1840).
An seinem Hochzeitstag wurde er zum General ernannt. Im Januar 1861 wurde er durch
die Thronbesteigung seines Vaters Kronprinz von Preußen. Im deutsch-dänischen
Krieg von 1864 erhielt er kein Kommando, wurde aber Frühjahr auf den Kriegsschauplatz
geschickt, um Schwierigkeiten infolge von persönlichen Rivalitäten zu beseitigen,
was seiner Liebenswürdigkeit und seinem Takt schnell gelang. Mild und gutmütig
von Charakter, war er mit der schroffen Unnachgiebigkeit des Bismarckschen Ministeriums
den Wünschen und Ansprüchen der Volksvertretung gegenüber nicht einverstanden,
ebenso wenig mit der schleswig-holsteinischen Politik desselben.
Doch als der Ernst der Lage 1866 offenbar wurde, ließ er seine Bedenken fallen.
Am 17. Mai 1866 wurde er zum Oberbefehlshaber der zweiten Armee ernannt, welche
sich in Schlesien sammelte, überschritt mit derselben am 26. Juni die Grenze,
erzwang sich durch die glücklichen Gefechte von Nachod, Trautenau, Skalitz, Schweinschädel
(27.-29. Juni) den Einmarsch in Böhmen und entschied am 3. Juli durch sein rechtzeitiges
Eintreffen bei Chlum den Sieg von Königsgrätz, wofür er auf dem Schlachtfeld aus
der Hand seines Vaters den Orden "Pour le Mérit" empfing.
Im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 befehligte er die dritte Armee, welche
drei preußische und die süddeutschen Korps umfasste; der geniale Stratege von
Blumenthal war, wie 1866, sein Generalsstabschef. Unter seiner Leitung erfochten
die vereinigten nord- und süddeutschen Krieger gleich zu Beginn die blutigen,
aber glänzenden Siege bei Weißenburg (4. August) und bei Wörth (6. August).
Der Kronprinz erlangte bald unter den Truppen eine solche Popularität, dass er
allgemein "Unser Fritz" genannt wurde. Nach dem Sieg bei Wörth marschierte er
auf Paris, bewerkstelligte aber Ende August die große Rechtsschwenkung nach Norden
und entschied den Sieg von Sedan (1. September) im Süden und Westen. Am 19. September
bewirkte er die Einschließung von Paris und hatte während der Belagerung der Stadt
sein Hauptquartier in Versailles.
Hier wurde er am 28. Oktober zum Generalfeldmarschall und am 18. Januar 1871 zum
Kronprinzen des Deutschen Reichs ernannt. Nach dem Frieden mit Frankreich erhielt
er das Großkreuz des Eisernen Kreuzes und wurde Generalinspekteur der vierten
Armeeinspektion des deutschen Reichsheers. Seine außerordentliche Beliebtheit
zeigte sich besonders bei dem Einzug der Truppen in Berlin (16. Juni 1871) und
bei dem in München (16. Juli) sowie bei seinen späteren Inspektionsreisen in Süddeutschland.
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Im Auftrag des Kaisers und im Interesse des Staates unternahm er
viele Reisen an auswärtige Höfe. Vom 4. Juni bis 5. Dezember 1878 war er während
seines Vaters Krankheit infolge des zweiten Attentats mit der Stellvertretung
desselben beauftragt. Der Kronprinz zeigte lebhaftes Interesse für die wissenschaftlichen
und künstlerischen Bestrebungen der damaligen Zeit und suchte im Verein mit seiner
Gemahlin namentlich dem Kunstgewerbe in Deutschland einen höheren Aufschwung zu
geben.
Seine Kinder waren: Prinz Wilhelm (geboren am 27. Januar 1859, der spätere Kaiser
Wilhelm II.), Prinzessin Charlotte ( geboren am 24. Juli 1860), Prinz Heinrich
(geboren am 14. August 1862), Viktoria (geboren am 12. April 1866), Sophie (geboren
am 14. Juni 1870) und Margareta (geboren am 22. April 1872). Prinz Sigismund (geboren
1864) starb am 18. Juni 1866; Prinz Waldemar (geboren 1868) starb am 27. März
1879.
Unter den Besuchen, die der damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm in Vertretung
seines greisen Vaters abstattete, hatte die Reise, die er im Herbst 1883 auf einem
deutschen Kriegsgeschwader erst nach Spanien an den Hof des Königs Alfons XII.,
dann nach Rom unternahm, wo er den ihm eng befreundeten König Humbert und den
Papst Leo XIII. besuchte, eine besondere Bedeutung. Die männlich schöne Erscheinung
und das liebenswürdige Benehmen des Prinzen gewannen ihm aller Herzen und dem
deutschen Volk die Sympathien der Völker. Neben seinem Vater, Kaiser Wilhelm I.,
und Bismarck konnte Friedrich allerdings keinen maßgebenden Einfluss auf die Regierung
des Reichs und Preußens gewinnen und es bemächtigte sich daher mit zunehmendem
Alter seiner eine verdrießliche, pessimistische Stimmung, welche seine Tatkraft
zu lähmen schien. Noch 1866 hielt er bei der Eröffnung der Berliner Jubiläumsausstellung
und in Heidelberg beim Universitätsjubiläum längere eindrucksvolle Reden; auch
richtete er am 1. Januar 1887 beim 80jährigen Militärjubiläum des Kaisers an der
Spitze der kommandierenden Generäle die Ansprache an seinen Vater.
Nicht lange danach stellte sich jedoch bei ihm eine hartnäckige Heiserkeit ein.
Als sie allen üblichen Heilmitteln widerstand und auch eine Kur in Ems nichts
nützte, wurde der Kronprinz Mitte Mai 1887 in Berlin von drei anerkannt fachkundigen
Ärzten, Gerhardt, von Bergmann und Tobold, genau untersucht, und das Ergebnis
war deren einstimmiges Urteil, dass eine Krebserkrankung des Kehlkopfes vorliege
und dass zur Operation mittels Spaltung des Kehlkopfes und Entfernung der erkrankten
Teile am linken Stimmband geschritten werden müsse.
Schon war alles zu dieser Operation vorbereitet, als Mackenzie aus London erschien.
Auf Veranlassung des Reichskanzlers hatten nämlich die drei deutschen Ärzte ein
amtliches, dem Staatsarchiv einzuverleibendes Gutachten abgegeben und noch drei
ausländische Spezialisten zu Rate zu ziehen empfohlen; zu diesen gehörte auch
Mackenzie, den die Königin Viktoria von England und der kronprinzliche Leibarzt,
Generalarzt Wegener, empfohlen hatten. Mackenzie erklärte, die Krankheit des Kronprinzen
sei nicht Krebs, sondern eine gutartige Wucherung, die durch Eingriffe vom Mund
aus geheilt werden könne, und wurde vom kronprinzlichen Paar für die weitere Behandlung
der Krankheit gewählt. Er entfernte durch eine Zange mehrere Stücke der Geschwulst
am linken Stimmband.
Am 13. Juni 1887 reiste der Kronprinz nach England zum 50jährigen Regierungsjubiläum
seiner Schwiegermutter, der Königin Viktoria. Trotz äußerlich guten Aussehens
litt er aber fortwährend an Heiserkeit und Neigung zu Erkältungen. Dies wurde
immer bedenklicher, als er sich Anfang September von England nach Toblach in Tirol,
am 25. September nach Venedig, am 7. Oktober nach Baveno am Lago Maggiore und
am 3. November nach Villa Zirio in San Remo begab. Dort wurde das Leiden des Kronprinzen
so schlimm, dass auch Mackenzie die Zuziehung von Spezialisten empfahl. Professor
Schrötter aus Wien, Krause aus Berlin und Schmidt aus Frankfurt a. M. beteiligten
sich vom 9. bis 11. November an der Untersuchung des Kehlkopfes, bei der eine
neue größere Wucherung unterhalb der Stimmbänder als Krebs festgestellt und eine
Heilung nur durch Ausschneidung des Kehlkopfes für möglich erklärt wurde.
Dem Kronprinzen wurde der Sachverhalt von Schrötter mitgeteilt und die gefährliche
Operation seiner Entscheidung überlassen. Er erklärte nach längerer Überlegung,
dass sie nicht stattzufinden habe. Da jedoch zu befürchten war, dass die Wucherung
sich ausdehnen werde und eine Erstickung nur durch den Luftröhrenschnitt zu verhindern
war, so wurde, um diese, wenn nötig, vorzunehmen, der Assistent Bergmanns, Bramann,
von Berlin nach San Remo beordert. Im Januar 1888 begannen die Erstickungsanfälle
häufiger zu werden, weil das Krebsgeschwür sich immer weiter ausbreitete und Bramann
nahm daher am 7. Februar den Luftröhrenschnitt vor. Der Kronprinz atmete fortan
durch eine Kanüle; sprechen konnte er nicht mehr, sondern sich nur schriftlich
ausdrücken.
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Kaiser Wilhelm wünschte dringend die Übersiedlung des Kranken
nach Berlin, die Mackenzie jedoch verhinderte. Am 9. März 1888 starb Wilhelm
I. Trotz kalten Schneewetters fuhr nun Kaiser Friedrich III., diesen Namen legte
er sich als Herrscher zu, nach Charlottenburg und trat die Regierung an. Am
12. März erließ er eine Proklamation an das Volk sowie einen schon früher von
Geffcken verfassten Erlass an Bismarck, welcher seine Regierungsgrundsätze darlegte.
Trotz seines sich immer verschlimmernden Leidens widmete er sich mit Aufwand
aller Kräfte den Regierungsgeschäften, erließ eine Amnestie und verlieh zahlreiche
Ordensauszeichnungen, Standes- und Rangerhöhungen und Beförderungen. Am 21.
März übertrug Friedrich die Erledigung eines Teils der Geschäfte dem Kronprinzen
Wilhelm als Stellvertreter.
Die Krankheit des Kaisers, deren Leiden er mit heldenmütiger Geduld und stets
gleichbleibender Herzensgüte ertrug ("Lerne zu leiden, ohne zu klagen!" sagte
er zu seinem Sohn), machte inzwischen rasche Fortschritte. Am 12. April wäre
er beinahe erstickt, wenn nicht Bergmann eine andere Kanüle eingesetzt hätte.
Nachdem der Kaiser am 24. Mai nach der Vermählung seines zweiten Sohns, des
Prinzen Heinrich, mit der Prinzessin Irene von Hessen beigewohnt hatte, siedelte
er am 1. Juni von Charlottenburg nach dem Neuen Palais über und starb dort am
Vormittag des 15. Juni 1888 an Lungenlähmung nach einer Regierung von 99 Tagen.
Die Sektion der Leiche fand am 16. Juni statt und ergab die völlige Zerstörung
des Kehlkopfes durch Krebs. Die Beisetzung erfolgte am 18. Juni in der Friedenskirche
zu Potsdam.
Es war ein trauriges Geschick für Friedrich, dass es ihm nicht vergönnt war,
die Grundsätze, die er in langen Jahren als Kronprinz für seine spätere Regierung
sich gebildet hatte, zu verwirklichen und so zum Wohl und Glück des von ihm
so innig geliebten deutschen Vaterlandes beizutragen; hatte er doch das Bewusstsein,
der erste preußische Herrscher zu sein, welcher in den modernen deutschnationalen
und konstitutionellen Anschauungen aufgewachsen war. Seine Witwe, Kaiserin Viktoria,
wählte für sich den Titel "Kaiserin Friedrich" und nahm, von ihrem Aufenthalt
in England abgesehen, ihren Sitz im ehemals kronprinzlichen Palais in Berlin
und im Schloss Friedrichshof bei Homburg.

