Im Oktober 1870 verhandelte Bismarck in Versailles
mit den Ministern der vier süddeutschen Staaten über den Beitritt ihrer Länder
zum Norddeutschen Bund, d.h. über die Gründung des Deutschen Reiches. Der Norddeutsche
Bund, der Zusammenschluss der norddeutschen Staaten unter preußischer Vormacht,
galt bereits bei seiner Gründung 1867 als eine Vorstufe zur deutschen Einheit.
Die Erinnerungen an Kaiser und Reich hatten in Deutschland eine nahezu mystische
Faszination behalten und sich so sehr mit den nationalen Sehnsüchten der Deutschen
verbunden, dass der preußische Ministerpräsident und Kanzler des Norddeutschen
Bundes in seiner Einfühlung in die deutsche Volksseele diese Gefühlswerte in
die Fundamente des deutschen Nationalstaates einzubringen beschlossen hatte.
Der preußische Sieg bei Sedan brach den Widerstand des Auslands gegen die Schaffung
eines deutschen Reiches und verstärkte in Deutschland das Nationalgefühl, so
dass Bismarck nunmehr Preußens machtpolitische Ziele - die Schaffung eines starken,
einheitlichen Reiches unter preußischer Hegemonie - durchsetzten kann.
| Ludwig II. |
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| Ergebnis der ersten Reichstagswahl |
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| Die Eröffnung des Reichstages im Weißen Saal des Königlichen
Schlosses zu Berlin durch Kaiser Wilhelm II. am 25. Juni 1888 anläßlich seiner Thronbesteigung |
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| Das Reichstagsgebäude in Berlin |
Die erste Sitzung des Reichstages findet im Berliner Stadtschloss
statt. Der Kaiser sitzt auf dem Thron Heinrichs III., der zu diesem Anlass aus
Goslar herbeigeholt worden ist. Wilhelm I. ist von Fürsten und Generälen in
prächtigen Paradeuniformen umgeben, so dass die eher trist gekleideten Abgeordneten
dagegen wie unbedeutende Beisteher erscheinen.
Unter dem Eindruck der grandiosen Siege der Armee Moltkes begrüßen die meisten
Deutschen die Reichsgründung mit Begeisterung. Die Geschäftsleute werden noch
reicher, die Soldaten baden im Ruhm siegreich geschlagener Schlachten, die Intellektuellen
lassen sich von einer Welle nationaler Begeisterung tragen. Die preußischen
Konservativen befürchten, dass ihr geliebtes Land zur Provinz eines Staates
wird, in dem das allgemeine Wahlrecht herrscht und in dem eine habgierige und
ungehobelte Bourgeoisie den Ton angibt.
Das Deutsche Reich ist ein autoritärer Staat und sein
Parlament ist trotz seiner Wahl durch allgemeines Männerwahlrecht nur mit begrenzten
Vollmachten ausgestattet. Die Monarchie bleibt unangetastet, der Adel behält
seine privilegierte Stellung und die Armee wird weiter gestärkt. Im ganzen Reich
wurden zum Gedenken an die drei Kriege zur Reichseinigung unzählige Denkmäler
errichtet, z.B. die Siegessäule in Berlin.
Das Deutsche Reich gründet sich als Ergebnis des Deutsch-Französischen Krieges
auf Blut und Eisen und ist nicht das Endprodukt eines friedlichen und demokratischen
Prozesses. Es bestand in dieser Form bis zum Ende des Ersten Weltkrieges im
Jahre 1918.
Karte des Deutschen Bundes 1815
| Der Oberrhein. | |
| Sie haben ihn da oben, Den alten deutschen Rhein, Daher soll stets gehoben Das Schwert des Deutschen sein. |
Mit welcher Schalkheit raubte Der Ludwig uns das Land, Weil Deutschland mit dem Haupte Des Reichs in Fehde stand. |
| O Elsaß, o Lothringen, O Metz, Toul und Verdun, Wir woll'n dich wiederbringen Zum alten deutschen Rhein. |
So woll'n wir's wieder haben Das Gut von unser'm Blut, Weil dort schon längst begraben Der deutsche Adler ruht. |
| Du Straßburg, Burg der Schranken Von Frankreich und Burgund, So lang' dort hausen Franken, Wird Deutschland nicht gesund. |
Du Volk aus den Vogesen Und dem Ardennenwald, Wir wollen Dich erlösen Von fremder Truggewalt. |
| Dein Münster reckt den Finger Zum Himmelszelt empor Und drohet dem Bezwinger Und dem, der ihn verlor. |
Dann must auch du vernehmen Den deutschen Bundesruf Und dich der Knechtschaft schämen, Die wälsche Art dir schuf. |
| Dem Reich und jetzt dem Kaiser Wohl von des Rheines Strand Sei du des Weges Weiser Ins stolze Frankenland. |
Und solltest du dich sträuben Und fühlst die Knechtschaft nicht, So wollen wir dich treiben Zu deiner Kindespflicht. |
| Der Rhein soll Deutschlands Erbe, In seinem ganzen Lauf, Wohl wieder eigen werden. Rollt Euer Banner auf! |
Damit einst deine Kinder Doch mögen Deutsche sein Und sich der Überwinder Von ihren Vätern freun. |
| So wollen wir ihn haben Den alten deutschen Rhein; Dann erst wird ganz begraben Die Schmach der Deutschen sein. (Lieder für Soldaten, 1876) |
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